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Holiday-Heart-Syndrom: Vorhofflimmern nach Alkohol verstehen

Mann sitzt morgens auf der Bettkante eines Hotelzimmers mit Meerblick und hält die flache Hand auf die Brust.KI-generiert

Aktualisiert am 28. Oktober 202617 Min. Lesezeit

Was ist das Holiday-Heart-Syndrom?

Der Begriff stammt aus dem Jahr 1978. Ein Team um den amerikanischen Arzt Philip Ettinger beschrieb damals Herzrhythmusstörungen bei Menschen, die zuvor viel Alkohol getrunken hatten. Auffällig war, dass diese Patienten oft nach Wochenenden oder Feiertagen in die Klinik kamen. Daher der Name: „Holiday Heart“, also „Feiertagsherz“. Die damals beschriebenen Patienten tranken allerdings regelmäßig und viel. Heute wird der Begriff breiter verwendet, auch für Menschen, die nur gelegentlich in kurzer Zeit große Mengen trinken.

Die häufigste Rhythmusstörung beim Holiday-Heart-Syndrom ist Vorhofflimmern. Dabei kreisen in den Vorhöfen des Herzens ungeordnete elektrische Impulse, und der Puls wird unregelmäßig und oft schnell. Wie Vorhofflimmern grundsätzlich entsteht und behandelt wird, erklären wir ausführlich in unserem Artikel Vorhofflimmern: Ursachen, Symptome und Behandlung.

Wichtig zu wissen: Das Holiday-Heart-Syndrom ist keine eigene Form von Vorhofflimmern. Es beschreibt die Situation, in der es entstanden ist. Im EKG handelt es sich um ganz normales, echtes Vorhofflimmern. Die europäische Leitlinie ordnet solche Fälle als triggerinduziertes Vorhofflimmern ein: Vorhofflimmern, das unmittelbar im Zusammenhang mit einem möglicherweise umkehrbaren Auslöser auftritt. Neben großen Mengen Alkohol zählen dazu zum Beispiel Infektionen, Operationen, eine Schilddrüsenüberfunktion oder Drogen.

Wie Alkohol den Herzrhythmus stört

Alkohol beschleunigt den Puls und wirkt auf das vegetative Nervensystem, das den Herzschlag unbewusst mitsteuert. Das haben Forschende aus München in zwei Studien rund um das Oktoberfest untersucht.

In der neueren Studie (MunichBREW II, 2024) trugen 193 junge Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren während eines geplanten Trinkabends 48 Stunden lang ein Langzeit-EKG. Ihr höchster Blutalkoholwert lag im Mittel bei etwa 1,4 Promille. Bei rund 5 Prozent der Teilnehmenden traten klinisch bedeutsame Rhythmusstörungen auf. Das Auffällige: Die meisten zeigten sich nicht während des Trinkens, sondern in der Erholungsphase danach, etwa sechs bis 19 Stunden später. Eine Person entwickelte rund 13 Stunden nach dem letzten Getränk Vorhofflimmern, das von selbst wieder endete.

Das erklärt, warum sich das Holiday-Heart-Syndrom auch erst nachts oder am nächsten Morgen bemerkbar machen kann, wenn die Feier längst vorbei ist.

Auch die Menge spielt eine Rolle. Eine amerikanische Studie begleitete 100 Menschen mit bekanntem, anfallsartigem Vorhofflimmern mit einem EKG-Gerät und einem Alkoholsensor auf der Haut. Schon ein Getränk in den vier Stunden davor ging mit etwa doppelt so hohen Chancen für eine Episode einher, bei zwei oder mehr Getränken mit gut dreimal so hohen.

Dass Feiertage wirklich einen Unterschied machen, zeigt eine Auswertung aus Kalifornien: An Tagen, an denen besonders viel getrunken wird, etwa an Neujahr oder Weihnachten, kamen mehr Menschen wegen Vorhofflimmern in die Notaufnahme, auch mit einer ersten Episode. Solche Beobachtungsdaten zeigen einen Zusammenhang, beweisen aber nicht im Einzelfall die Ursache.

Wenn mehrere Auslöser zusammenkommen

Viele Betroffene berichten, dass ihr Vorhofflimmern nicht nach „irgendeinem“ Abend auftrat, sondern nach einer besonders belastenden Phase: wenig Schlaf, viel Alkohol, vielleicht ein Infekt, Durchfall, starkes Schwitzen nach dem Sport oder im Sommerurlaub, und großer Stress. Ein hilfreiches Bild dafür ist eine Schwelle. Jedes Herz hat eine individuelle Anfälligkeit für Vorhofflimmern. Kommen mehrere ungünstige Faktoren gleichzeitig zusammen, kann diese Schwelle überschritten werden, auch wenn jeder Faktor allein nicht gereicht hätte.

Dieses Modell erklärt, warum derselbe Mensch dieselbe Menge Alkohol oft verträgt und ein anderes Mal nicht. Es ist allerdings ein Erklärungsmodell und keine Rechenformel. Wie hoch die eigene Schwelle liegt und welche Kombination sie überschreitet, lässt sich nicht messen.

Wie gut einzelne Auslöser belegt sind, ist sehr unterschiedlich:

FaktorBeleglageWas bekannt ist
Große Mengen Alkoholgut belegtMehrere Studien zeigen einen direkten zeitlichen Zusammenhang. Die europäische Leitlinie nennt das Rauschtrinken ausdrücklich als Auslöser.
Infektionen, Schilddrüsenüberfunktiongut belegtBeide gehören laut Leitlinie zu den typischen Auslösern.
Kokain, Methamphetamin, Opiatevon der Leitlinie genanntDie europäische Leitlinie führt sie als mögliche Auslöser auf.
CannabisWarnsignalIn einer Auswertung von 14 Beobachtungsstudien mit über 81 Millionen Menschen war Cannabiskonsum mit einem um etwa 70 Prozent höheren Risiko für Vorhofrhythmusstörungen verbunden. Ob Cannabis die Ursache ist, ist damit nicht bewiesen.
Kalium- oder Magnesiummangelplausibel, als akuter Auslöser kaum untersuchtNiedrige Kalium- und Magnesiumwerte sind in großen Bevölkerungsstudien mit mehr Vorhofflimmern verbunden. Regelmäßig hoher Alkoholkonsum kann einen Magnesiummangel fördern. Auch anhaltender Durchfall und starkes Schwitzen im Sommer oder nach dem Sport können eine Elektrolytverschiebung begünstigen. Ob eine kurzfristige Verschiebung nach einer Feier eine Episode auslöst, ist kaum untersucht.
Stress und ÄrgerZusammenhang, schwer nachweisbarAngst, Ärger, Depression und Arbeitsstress gehen in Studien mit einem leicht erhöhten Risiko einher. Im Einzelfall lässt sich Stress als Auslöser kaum belegen.
Schlafmangelnicht nachgewiesenIn einer Studie, in der Betroffene ihre vermuteten Auslöser gezielt testeten, zeigte wenig Schlaf keinen messbaren Effekt.
FlüssigkeitsmangelunklarIn derselben Studie gab es keinen eindeutigen Effekt. Es wurde aber nur von wenigen Teilnehmenden getestet.
Kaffeekein Auslöser nachweisbarKoffein löste in dieser Studie keine Episoden aus. Auch die amerikanische Leitlinie sieht keinen Nutzen im Kaffeeverzicht.

Dass Faktoren ohne klare Studienlage im Einzelfall trotzdem eine Rolle spielen, ist damit nicht ausgeschlossen. Wenn Sie selbst einen Auslöser vermuten, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, bevor Sie Ihren Alltag dauerhaft umstellen.

Symptome und Warnzeichen

Typisch sind plötzliches Herzrasen, ein unregelmäßiger Puls, Herzstolpern oder ein „Flattern“ in der Brust, dazu oft Unruhe, Schwäche oder Atemnot. Weil ein Kater ähnliche Beschwerden machen kann, werden die Zeichen manchmal zunächst nicht ernst genommen. Ein deutlich unregelmäßiger Puls ist aber kein normales Katersymptom.

Rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter 112, wenn zusätzlich eines dieser Zeichen auftritt:

  • Schmerzen oder Druck in der Brust
  • starke Atemnot
  • Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht
  • starker Schwindel, Blässe oder kalter Schweiß
  • Schlaganfallzeichen wie plötzliche Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, ein hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen

Fühlen Sie sich ansonsten stabil, lassen Sie den unregelmäßigen Puls trotzdem zeitnah ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten über den Bereitschaftsdienst unter 116117. Das gilt auch, wenn die Episode inzwischen von selbst vorbei ist. Fahren Sie bei Beschwerden nicht selbst, und fahren Sie erst recht nicht, solange Sie noch Restalkohol im Blut haben könnten.

Warum eine vollständige Abklärung wichtig ist

Wenn der Auslöser so offensichtlich scheint, liegt der Gedanke nahe: „Das war eben der Alkohol.“ Trotzdem soll triggerinduziertes Vorhofflimmern laut europäischer Leitlinie nach denselben Grundsätzen abgeklärt und betreut werden wie jedes andere. Der Grund: Es kommt oft wieder und ist mit einem ähnlichen Schlaganfallrisiko verbunden wie Vorhofflimmern ohne erkennbaren Auslöser.

Zur Abklärung gehören in der Regel ein ärztlich beurteiltes EKG, ein Herzultraschall, Blutuntersuchungen einschließlich Salzen im Blut (Elektrolyten) und Schilddrüsenwerten und je nach Situation ein Langzeit-EKG. Was genau dabei passiert, lesen Sie im Abschnitt Diagnose unseres Artikels Vorhofflimmern.

Bei jungen Menschen lohnt sich zudem ein Blick auf die Familie. In einer amerikanischen Studie mit fast 1.300 Menschen, bei denen Vorhofflimmern vor dem 66. Lebensjahr festgestellt wurde, fanden sich bei 10 Prozent seltene erbliche Genveränderungen, die mit Erkrankungen des Herzmuskels zusammenhängen. Trat das Vorhofflimmern vor dem 30. Lebensjahr auf, waren es knapp 17 Prozent. Auch in einer Studie mit gesunden Kindern und jungen Erwachsenen kam Vorhofflimmern häufiger wieder, wenn ein Elternteil oder Geschwister ebenfalls betroffen war.

Gut zu wissen: Ein Auslöser schließt eine Veranlagung nicht aus

Erzählen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt offen, was vor der Episode los war, also auch wie viel Sie getrunken haben oder ob andere Substanzen im Spiel waren. Berichten Sie außerdem, ob in Ihrer Familie Vorhofflimmern oder Herzmuskelerkrankungen vorkommen. Ein klarer Auslöser und eine erbliche Veranlagung können gleichzeitig vorliegen.

Wie wird behandelt?

Grundsätzlich wird das Holiday-Heart-Syndrom nach denselben Prinzipien behandelt wie jedes Vorhofflimmern. Das heißt aber nicht, dass jeder Mensch dieselbe Behandlung bekommt. Die Leitlinien richten sich nach dem persönlichen Risiko, und das unterscheidet sich zwischen einem gesunden 25-Jährigen und einem 75-Jährigen mit Bluthochdruck und Diabetes erheblich.

In der akuten Situation: Frisch aufgetretenes Vorhofflimmern endet oft von selbst. Bei stabilem Kreislauf kann es laut europäischer Leitlinie sinnvoll sein, unter ärztlicher Begleitung bis zu 48 Stunden abzuwarten. Hält das Vorhofflimmern an oder sind die Beschwerden stark, wird der Rhythmus mit Medikamenten oder einem kurzen Stromimpuls in Narkose zurückgeführt (Kardioversion). Medikamente wie Betablocker können zusätzlich den Puls bremsen.

Blutverdünnung: Ob dauerhaft ein Blutverdünner nötig ist, hängt nicht vom Auslöser ab, sondern vom persönlichen Schlaganfallrisiko. Dafür wird der CHA₂DS₂-VA-Score berechnet, in den Alter, Bluthochdruck, Diabetes, Herzschwäche, frühere Schlaganfälle und Gefäßerkrankungen eingehen. Nach der deutschen S3-Leitlinie soll ab einem Wert von 2 eine Blutverdünnung empfohlen werden, bei einem Wert von 1 wird individuell abgewogen. Die europäische Leitlinie empfiehlt, auch bei triggerinduziertem Vorhofflimmern eine dauerhafte Blutverdünnung zu erwägen, wenn das Schlaganfallrisiko erhöht ist. Ein junger Mensch ohne diese Risikofaktoren fällt meist nicht darunter. Nach einer Kardioversion ist allerdings in der Regel für mindestens vier Wochen eine Blutverdünnung nötig. Die europäische Leitlinie erlaubt Ausnahmen, wenn das Vorhofflimmern weniger als 24 Stunden bestand und keine Risikofaktoren vorliegen. Die deutsche Leitlinie empfiehlt nach einer elektrischen Kardioversion grundsätzlich mindestens vier Wochen.

Langfristig: Ob später Medikamente gegen Rhythmusstörungen oder eine Katheterablation infrage kommen, hängt vor allem davon ab, ob und wie oft das Vorhofflimmern wiederkommt und wie stark die Beschwerden sind. Nach einer einzelnen Episode steht deshalb oft zunächst im Vordergrund, den Verlauf zu beobachten und die Auslöser anzugehen. Ein veröffentlichter Fallbericht beschreibt zum Beispiel einen gesunden 22-Jährigen, dessen Medikamente nach drei Monaten wieder abgesetzt wurden und der zwei Jahre später weiterhin keine neue Episode hatte. Ein Einzelfall ist allerdings keine Prognose für andere.

Setzen Sie verordnete Medikamente, besonders Blutverdünner, nie eigenständig ab, auch wenn Sie sich wieder gesund fühlen.

Kommt es wieder? Was Studien zum Verlauf zeigen

Die ehrliche Antwort: Es kann bei einer einzigen Episode bleiben, es kann aber auch wiederkommen. Vorhersagen lässt sich das nach der ersten Episode nicht sicher. Einige Studien geben aber Anhaltspunkte:

StudieWer wurde untersucht?Was kam heraus?
Framingham-Studie (USA, 2015)439 Menschen mit Vorhofflimmern nach einem erkennbaren Auslöser, überwiegend nach Operationen, Infektionen oder HerzinfarktRückfall bei 42 Prozent nach fünf und 56 Prozent nach zehn Jahren. Ohne erkennbaren Auslöser waren es 59 und 69 Prozent.
PACES-Studie (USA, 2021)241 gesunde Kinder und junge Erwachsene bis 21 JahreRückfall bei 39 Prozent in durchschnittlich gut zwei Jahren. Häufiger, wenn Eltern oder Geschwister betroffen waren.
Fallserie aus Großbritannien (2009)22 junge Erwachsene bis 45 Jahre mit Alkohol oder Drogen als AuslöserSechs hatten einen Rückfall, alle tranken oder konsumierten weiterhin in großen Mengen.

Keine dieser Studien bildet genau die typische Holiday-Heart-Situation ab: einen jungen, herzgesunden Menschen nach einer einzelnen Phase mit viel Alkohol. In der Framingham-Studie waren die Teilnehmenden älter und die Auslöser meist andere. Die PACES-Studie betrachtete junge Gesunde mit Vorhofflimmern allgemein und nicht speziell nach Alkohol. Und die britische Fallserie ist sehr klein.

Zusammen zeigen sie aber zweierlei: Ein Rückfall ist keine Seltenheit, und wer den Auslöser beibehält, scheint ein höheres Risiko zu haben. Eine lange Zeit ohne Episode ist ein gutes Zeichen. Sie beweist aber nicht, dass die Anfälligkeit für immer verschwunden ist.

Alkohol nach der ersten Episode

„Darf ich jemals wieder ein Glas trinken?“ Diese Frage beschäftigt viele Betroffene. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber einiges ist gut belegt.

Was Studien und Leitlinien sagen:

  • Weniger Alkohol bedeutet weniger Rückfälle. In einer australischen Studie mit regelmäßig trinkenden Menschen mit Vorhofflimmern hatten diejenigen, die weitgehend verzichteten, innerhalb von sechs Monaten seltener einen Rückfall (53 gegenüber 73 Prozent). Die Teilnehmenden waren im Mittel allerdings 62 Jahre alt und hatten bereits bekanntes, wiederkehrendes oder anhaltendes Vorhofflimmern.
  • Die europäische Leitlinie empfiehlt Menschen mit Vorhofflimmern, höchstens drei Standardgetränke pro Woche zu trinken (höchstens 30 Gramm reiner Alkohol) und Rauschtrinken zu vermeiden.
  • Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt, die Grenzen eines risikoarmen Alkoholkonsums nicht zu überschreiten. Die Deutsche Herzstiftung nennt dafür höchstens 20 Gramm Alkohol am Tag für Männer, höchstens 10 Gramm für Frauen und mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betont, dass es keine risikofreie Menge Alkohol gibt.

Die Leitlinien verlangen also keinen lebenslangen völligen Verzicht, sondern eine deutliche Reduktion. Die europäische Empfehlung ist dabei strenger als die deutsche.

Was niemand sicher weiß:

Eine Menge, die nach einem Holiday-Heart-Syndrom garantiert sicher ist, kennt die Forschung nicht. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 hält ausdrücklich fest, dass sichere Grenzwerte erst noch erforscht werden müssen. Deshalb gilt auch: Ein Abend, an dem nichts passiert ist, beweist nicht, dass diese Menge dauerhaft unbedenklich ist. Und eine Episode nach einem Trinkabend beweist nicht zwingend, dass der Alkohol allein schuld war.

Und was ist mit Magnesium?

In Foren und Selbsthilfegruppen berichten manche Betroffene, dass sie mit Magnesiumtabletten seltener Episoden nach Alkohol hatten. Ganz aus der Luft gegriffen ist der Gedanke nicht: Magnesium und Kalium sind für die elektrische Stabilität des Herzens wichtig, und regelmäßig hoher Alkoholkonsum geht häufig mit einem Magnesiummangel einher. In großen Bevölkerungsstudien waren niedrige Magnesium- und Kaliumwerte mit mehr Vorhofflimmern verbunden.

Eine Studie, die prüft, ob Magnesiumtabletten alkoholbedingtes Vorhofflimmern verhindern, gibt es nach unserer Recherche bisher nicht. In einer randomisierten Studie bei Menschen mit anhaltendem Vorhofflimmern kam es nach einer Kardioversion mit Magnesiumtabletten nicht seltener zu einem Rückfall als mit einem Scheinmedikament. Erfahrungsberichte sind wertvoll, ersetzen aber keinen Nachweis. Lassen Sie Ihre Blutwerte deshalb ärztlich prüfen und einen festgestellten Mangel gezielt ausgleichen. Eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen deckt den Bedarf in der Regel. Nahrungsergänzungsmittel nehmen Sie am besten nur nach Rücksprache, besonders bei Nierenerkrankungen. Kalium sollten Sie nie auf eigene Faust einnehmen, weil zu hohe Werte selbst gefährliche Rhythmusstörungen auslösen können.

Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welcher Umgang mit Alkohol für Sie persönlich vernünftig ist. Wenn es Ihnen schwerfällt, weniger zu trinken, gibt es Unterstützung, ohne dass Sie sich dafür schämen müssen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel zu Suchtkrankheiten.

Was die Forschung noch nicht weiß

Bis heute gibt es keine große Langzeitstudie, die junge, herzgesunde Menschen nach einer einzelnen alkoholbedingten Episode über viele Jahre begleitet. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 beschreibt die Forschung zum Holiday-Heart-Syndrom als begrenzt. Offen sind deshalb unter anderem diese Fragen:

  • Wie viele Betroffene bleiben dauerhaft ohne Rückfall?
  • Gibt es eine Alkoholmenge, die danach sicher ist?
  • Wie stark helfen Abnehmen, Bewegung oder die Behandlung einer Schlafapnoe gerade in dieser Gruppe?
  • Welche Rolle spielt Cannabis unabhängig von Alkohol und Tabak?
  • Wer entwickelt später auch ohne erkennbaren Auslöser Vorhofflimmern?

Viele Zahlen, die Sie im Internet finden, stammen aus Studien mit älteren Menschen oder mit bereits länger bestehendem Vorhofflimmern. Sie lassen sich nicht einfach auf eine einzelne Episode in jungen Jahren übertragen.

Leben nach der ersten Episode

Nach einem Holiday-Heart-Syndrom fragen sich viele, was sie sich jetzt noch zutrauen dürfen. Die gute Nachricht: Eine erste Episode bedeutet nicht, dass Sie Ihr Leben auf den Kopf stellen müssen.

Bewegung und Sport: Regelmäßige Bewegung ist nach der Abklärung ausdrücklich erwünscht. Die europäische Leitlinie empfiehlt ein angepasstes Training, weil es die Fitness verbessert und Rückfälle seltener macht. Die deutsche S3-Leitlinie rät gerade Menschen, die nach einer Episode Angst vor Belastung haben, zu einem strukturierten Training, zum Beispiel in einer Herzsportgruppe. Wer wieder intensiver trainieren möchte, kann vorher einen Belastungstest machen lassen.

Kaffee: Normale Mengen müssen Sie nicht meiden. Koffein hat sich in Studien nicht als Auslöser erwiesen.

Unterwegs und auf Reisen: Achten Sie besonders dort auf Ihre bekannten Auslöser, wo vieles zusammenkommt, etwa auf Festen, im Urlaub oder bei großer Hitze. Nehmen Sie verordnete Medikamente und wichtige Befunde mit.

Angst und Selbstbeobachtung: Nach einem ersten Herzrasen ist es verständlich, wenn Sie Ihren Puls öfter prüfen. Bei manchen wird daraus aber ein ständiges Kontrollieren, das selbst belastet. Eine amerikanische Studie mit Menschen mit Vorhofflimmern fand, dass Nutzerinnen und Nutzer von Smartwatches sich stärker mit ihren Beschwerden beschäftigten und häufiger ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen. Rund jeder Fünfte reagierte auf Warnmeldungen der Uhr mit Angst. Die Teilnehmenden waren im Mittel allerdings über 70 Jahre alt.

Hilfreich ist es, mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt einen klaren Plan zu vereinbaren: wann Sie messen sollen, was Sie bei einer auffälligen Messung tun und wann Sie sich melden. Nutzen Sie eine Uhr mit EKG-Funktion gezielt, wenn Sie Beschwerden haben, und speichern Sie die Aufzeichnung für den nächsten Termin. Mehr dazu lesen Sie bald in unserem Artikel über Smartwatches und Gesundheit.

Häufige Fragen (FAQ) zum Holiday-Heart-Syndrom

Ist das Holiday-Heart-Syndrom gefährlich?

Eine einzelne Episode ist meist nicht unmittelbar lebensbedrohlich und endet oft von selbst. Harmlos ist sie trotzdem nicht: Es handelt sich um echtes Vorhofflimmern, das wiederkommen kann und laut europäischer Leitlinie mit einem ähnlichen Schlaganfallrisiko verbunden ist wie Vorhofflimmern ohne Auslöser. Deshalb gehört jede Episode ärztlich abgeklärt.

Muss ich zum Arzt, wenn es von allein aufgehört hat?

Ja. Auch wenn der Puls wieder regelmäßig ist, sollten Sie die Episode zeitnah abklären lassen. Nur so lassen sich andere Ursachen wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Herzerkrankung ausschließen und Ihr Schlaganfallrisiko einschätzen. Haben Sie die Episode mit einer EKG-fähigen Uhr aufgezeichnet, bringen Sie die Aufzeichnung mit.

Darf ich wieder Alkohol trinken?

Die Leitlinien verlangen keinen lebenslangen Verzicht, empfehlen aber eine deutliche Reduktion. Nach europäischer Leitlinie sind das höchstens drei Standardgetränke pro Woche. Rauschtrinken sollten Sie meiden. Eine Menge, die garantiert sicher ist, kennt die Forschung nicht. Besprechen Sie Ihren persönlichen Umgang mit Alkohol mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Brauche ich jetzt einen Blutverdünner?

Das hängt von Ihrem persönlichen Schlaganfallrisiko ab, nicht vom Auslöser. Ohne Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzschwäche oder höheres Alter ist eine dauerhafte Blutverdünnung meist nicht nötig. Nach einer Kardioversion ist sie aber in der Regel für mindestens vier Wochen erforderlich. Setzen Sie verordnete Blutverdünner nie eigenständig ab.

Kommt das Vorhofflimmern bestimmt wieder?

Nein, nicht bestimmt. Manche Menschen haben über viele Jahre keine weitere Episode. Rückfälle sind aber häufig, in Studien je nach Gruppe bei etwa 40 Prozent innerhalb weniger Jahre. Wer die Auslöser beibehält, scheint öfter betroffen zu sein. Wie es bei Ihnen weitergeht, lässt sich nach der ersten Episode nicht sicher vorhersagen.

Kann ich mit Magnesium vorbeugen?

Ein festgestellter Magnesium- oder Kaliummangel sollte ärztlich ausgeglichen werden, denn er kann Rhythmusstörungen begünstigen. Dass Magnesiumtabletten bei normalen Blutwerten ein Holiday-Heart-Syndrom verhindern, ist aber nicht belegt. Am besten belegt ist, große Mengen Alkohol zu meiden. Nahrungsergänzungsmittel nehmen Sie am besten nur nach ärztlicher Rücksprache.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Ettinger PO et al.: Arrhythmias and the „Holiday Heart“: alcohol-associated cardiac rhythm disorders. Am Heart J 1978;95(5):555–562. PubMed
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  • Deutsche Herzstiftung: Alkohol und Herzrhythmusstörungen: herzstiftung.de · Stellungnahme zur S3-Leitlinie Vorhofflimmern: herzstiftung.de · Podcast Holiday-Heart-Syndrom: herzstiftung.de
  • Krijthe BP et al.: Serum potassium levels and the risk of atrial fibrillation: The Rotterdam Study. Int J Cardiol 2013;168(6):5411–5415. doi:10.1016/j.ijcard.2013.08.048
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  • NIH Office of Dietary Supplements: Magnesium – Fact Sheet for Health Professionals: ods.od.nih.gov
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: FAQ Magnesium (2022): dge.de · FAQ Kalium (2016): dge.de

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