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Tuberkulose (TB) – Eine der ältesten Infektionskrankheiten

Tuberkulose (TB) ist eine Infektionskrankheit, die meist die Lunge betrifft und trotz moderner Medizin weltweit verbreitet ist. Früh erkannt, ist sie gut behandelbar und heilbar.

Was ist Tuberkulose?

Tuberkulose (kurz: TB, veraltet „Schwindsucht“) ist eine Infektionskrankheit, die hauptsächlich durch das Bakterium Mycobacterium tuberculosis verursacht wird. Weltweit gehört sie zu den bedeutendsten Infektionsleiden: Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge erkranken pro Jahr etwa zehn Millionen Menschen neu an TB, und rund 1,5 Millionen sterben daran. Damit ist Tuberkulose – trotz moderner Therapien – bis heute eine der tödlichsten Infektionskrankheiten.

Der Erreger befällt typischerweise die Lunge (pulmonale TB). Doch auch andere Organe wie Lymphknoten, Knochen oder Nieren können betroffen sein (extrapulmonale TB). Eine besondere Bedeutung hat die TB in ärmeren Regionen mit eingeschränkter medizinischer Versorgung. Dort verbreitet sie sich leichter, da Früherkennung und konsequente Therapie oft fehlen. In industrialisierten Ländern ist TB seltener geworden, bleibt aber ein wichtiges Thema, zum Beispiel durch Migration aus Hochprävalenzländern oder bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Unterschieden wird zwischen der aktiven TB (mit Symptomen und Ansteckungsgefahr) und einer latenten TB-Infektion (LTBI), bei der Bakterien im Körper zwar überdauern, jedoch (noch) keine Erkrankung auslösen. Viele Menschen tragen die Erreger in sich, ohne jemals zu erkranken. Kommt es jedoch zu einer Abwehrschwäche, kann sich eine latente Infektion reaktivieren und zu einer aktiven TB führen. Die Behandlung besteht aus einer Kombination verschiedener Antibiotika (z. B. Isoniazid, Rifampicin), die über mehrere Monate eingenommen werden müssen, um alle Mykobakterien abzutöten.

Tuberkulose hat eine lange Geschichte: Spuren in Skeletten lassen vermuten, dass TB den Menschen seit Jahrtausenden begleitet. Im 19. Jahrhundert (zu Zeiten berühmter Forscher wie Robert Koch) war sie in Europa weit verbreitet. Dank verbesserter Lebensverhältnisse, Antibiotikatherapie und präventiver Maßnahmen ist sie in vielen westlichen Ländern deutlich zurückgegangen. Dennoch lässt sich das Ziel der weltweiten Ausrottung nicht so leicht erreichen, da Armut, Mangelernährung und HIV-Koinfektionen die Verbreitung in manchen Regionen beschleunigen. Auch resistente TB-Stämme (MDR-TB, XDR-TB) sind ein wachsendes Problem. Um TB konsequent zurückzudrängen, braucht es also globale Anstrengungen – von Früherkennung und effektiver Therapie bis hin zur Bekämpfung sozialer Ursachen.

Video: Tuberkulose einfach erklärt

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Ursachen und Risikofaktoren

Ursache der Tuberkulose ist eine Infektion mit Mycobacterium tuberculosis. Selten sind auch andere Mykobakterien aus dem M. tuberculosis-Komplex (z. B. M. bovis, M. africanum) beteiligt. Die Bakterien sind sehr widerstandsfähig, überleben in trockener Umgebung länger und haben eine wachsartige Zellwand, die sie gegen viele Desinfektionsmittel unempfindlich macht. Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion (Aerosole) durch Husten, Niesen oder Sprechen, wenn man engen Kontakt mit einem aktiven TB-Patienten hat.

Weltweit sind schätzungsweise 1/4 bis 1/3 der Menschen latent mit TB-Bakterien infiziert („LTBI“). Die meisten werden nicht krank, solange ihr Immunsystem die Bakterien in Schach hält. Erst bei einer Reaktivierung kommt es zur aktiven TB. Typische Risikofaktoren für eine Reaktivierung oder eine Neuansteckung mit anschließender Erkrankung sind:

  • Geschwächtes Immunsystem: z. B. durch HIV-Infektion, Immunsuppressiva, Diabetes, chronische Niereninsuffizienz oder Unterernährung
  • Enge, schlecht belüftete Räume: TB verbreitet sich besonders dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben (z. B. Gefängnisse, Flüchtlingslager, Obdachlosenunterkünfte)
  • Lange Kontaktzeiten: Für eine Ansteckung mit TB braucht es meist längeren Kontakt zu einer ansteckenden Person. Kurze Begegnungen im Freien reichen in der Regel nicht aus.
  • Rauchen: beeinträchtigt die Lungenabwehr, erhöht das Risiko einer TB-Erkrankung
  • Armut und Mangelernährung: Menschen in prekären Lebenslagen haben ein erhöhtes Risiko, da ihr Immunsystem oft geschwächt und die medizinische Versorgung eingeschränkt ist.

Nachdem die Bakterien eingeatmet werden, gelangen sie in die Alveolen der Lunge, wo das Immunsystem versucht, sie abzukapseln. Es bilden sich Granulome. Eine erfolgreiche Abkapselung führt zu einer latenten TB. Misslingt dies oder wird das Immunsystem geschwächt, entwickeln sich aktive Herde, die sich ausbreiten können. In manchen Fällen (Miliartuberkulose) verteilen sich die Bakterien über den Blutweg im ganzen Körper. HIV-Infizierte haben ein besonders hohes Risiko für diese schweren Verlaufsformen.

Symptome einer angehenden Tuberkulose

Die aktive, pulmonale Tuberkulose (Lungen-TB) äußert sich häufig durch:

  • Chronischen Husten, länger als 3 Wochen, anfangs trocken, später evtl. Auswurf
  • Bluthusten (Hämoptysen) in manchen Fällen
  • Nachtschweiß, Fieber, allgemeine Abgeschlagenheit
  • Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit
  • Leichte Temperaturerhöhungen oder subfebrile Temperaturen

Diese Symptome entwickeln sich meist langsam, schleichend über Wochen bis Monate. Gerade der chronische Husten wird oft zunächst mit einer normalen Bronchitis verwechselt. Typisch ist die Abmagerung (früher „Schwindsucht“ genannt), weshalb TB historisch stark gefürchtet war.

Die extrapulmonale TB (etwa in Lymphknoten, Knochen, Urogenitaltrakt) hat je nach Lokalisation andere Symptome. Beispiele:

  • Lymphknoten-TB: geschwollene, oft schmerzlose Lymphknoten, evtl. Fistelbildung
  • Knochen-TB (Wirbelsäule): chronische Rückenschmerzen, Deformierungen, Abszessbildung
  • Urogenitale TB: Nierenschädigungen, sterile Pyurie (Keimnachweis schwierig), Harnwegsbeschwerden

Die Miliartuberkulose (disseminierte TB) tritt auf, wenn unzählige kleine Herde im ganzen Lungengewebe oder Körper verstreut sind. Sie verläuft oft akut schwer mit hohem Fieber und Atemnot. Ebenfalls gefährlich ist die Tuberkulöse Meningitis, bei der die Hirnhäute betroffen sind. Letztere kann Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und neurologische Ausfälle verursachen.

Problematisch: Gerade in Frühstadien sind die Symptome unspezifisch (Abgeschlagenheit, leichter Husten, subfebrile Temperaturen). Das führt dazu, dass TB oft spät diagnostiziert wird – in dieser Zeit kann der Patient aber bereits ansteckend sein, insbesondere wenn ein offenes Lungenkavernensystem besteht und er Bakterien aushustet.

So wird Tuberkulose diagnostiziert

Bei Verdacht auf Tuberkulose (z. B. chronischer Husten, Gewichtsverlust, Risikokonstellation) sind mehrere Schritte notwendig:

  • Anamnese und klinische Untersuchung: Fragen nach Risikofaktoren (Kontakt zu TB-Patienten, Herkunft aus Hochprävalenzländern, Immunsuppression etc.), typische Symptome (Husten > 3 Wochen, Nachtschweiß, Abgeschlagenheit).
  • Röntgen-Thorax oder CT der Lunge: Zeigt evtl. typische Infiltrate im Oberlappen, Kavernenbildung oder andere Verdichtungen. Bei älteren Patienten kann die TB atypisch lokalisiert sein. Ein Normalbefund schließt TB nicht sicher aus.
  • Mikrobiologische Verfahren: – Sputum-Untersuchung: mikroskopischer Nachweis säurefester Stäbchen (Ziehl-Neelsen-Färbung) und Kultur auf speziellen Nährmedien (Dauer: mehrere Wochen) – Molekulare Schnelltests (PCR): z. B. Xpert MTB/RIF, Nachweis von TB-DNA und Rifampicin-Resistenz innerhalb weniger Stunden – Proben aus Bronchiallavage, Magensaft (morgendlicher Aspirat), Lymphknotenbiopsie etc. je nach Lokalisation
  • Immunologische Tests: – Mantoux-Test (Tuberkulin-Hauttest): zeigt an, ob eine Immunreaktion gegen TB-Antigene vorliegt. Bei älteren Geimpften (BCG) kann er falsch positiv sein. – Interferon-Gamma-Release Assay (IGRA): z. B. Quantiferon-TB-Test. Erkennt latente TB-Infektionen; unterscheidet aber nicht sicher zwischen aktiv und latent.

Für die aktive TB ist der Bakteriennachweis (direkt in Sputum/Biopsie) maßgeblich. Kulturen sind Goldstandard, dauern aber lange. PCR-Verfahren beschleunigen die Diagnose und liefern erste Resistenzinformationen (z. B. Rifampicin-Resistenz). Wird TB-Verdacht bestätigt, sollten weitere Untersuchungen (z. B. HIV-Test, da Koinfektion häufig) folgen, sowie Resistenztests auf Isoniazid, Rifampicin und andere First-Line-Medikamente. Nur so kann man eine adäquate Kombinationstherapie planen.

Behandlung von Tuberkulose

Die Therapie einer aktiven Tuberkulose basiert auf einer monatelangen Kombination verschiedener Antibiotika, um sämtliche Bakterien, inkl. ruhender Formen, zu erfassen. Standard ist das Sechs-Monats-Regime bei Erstbehandlung (sofern keine Resistenzen vorliegen). Empfohlen von WHO und vielen nationalen Leitlinien ist:

  • Intensivphase (2 Monate): 4-fach-Kombination: Isoniazid (INH), Rifampicin (RIF), Pyrazinamid (PZA) und Ethambutol (EMB).
  • Anschlussphase (4 Monate): meist 2-fach-Therapie: Isoniazid + Rifampicin.

Bei unkomplizierter, empfindlicher TB über 6 Monate. Das wird mit dem Kürzel „2HRZE / 4HR“ bezeichnet (H = Isoniazid, R = Rifampicin, Z = Pyrazinamid, E = Ethambutol). Die Medikamente müssen täglich eingenommen werden, meist unter direkter Beobachtung („directly observed therapy“, DOT), um die Compliance sicherzustellen – Patienten vergessen sonst oder brechen ab, was die Resistenzbildung begünstigt. Die Behandlung ist meist ambulant möglich, sofern keine hoch ansteckende offene TB vorliegt oder schwere Komorbiditäten.

Gründe für Therapie-Verlängerung können z. B. schwerer Verlauf, Resistenz oder HIV-Koinfektion sein. Stellt man Multiresistenzen (MDR-TB = Resistenz gegen mind. Isoniazid und Rifampicin) fest, muss man auf Zweitlinien- Medikamente (z. B. Fluorchinolone, Amikacin, Bedaquilin, Linezolid) ausweichen und die Therapie dauert meist 9–24 Monate. Extensiv resistente TB (XDR-TB) ist noch komplizierter, Prognose deutlich schlechter.

Nebenwirkungen der TB-Medikamente:

  • Isoniazid: Hepatotoxizität, periphere Neuropathien (Prophylaxe mit Vitamin B6)
  • Rifampicin: Lebertoxizität, orangefärbung von Körperflüssigkeiten (Urin, Tränen), starke Enzyminduktion (Achtung Wechselwirkungen!)
  • Pyrazinamid: Lebertoxizität, Hyperurikämie (Gichtanfälle)
  • Ethambutol: Opticusneuritis (Sehverschlechterung, Farbsehstörungen), deshalb regelmäßige Augenarzt-Kontrollen empfohlen

Wegen der möglichen Leberschäden sind Leberfunktionskontrollen (Transaminasen) wichtig. Außerdem kann es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten geben, weil Rifampicin Enzyme induziert und so z. B. die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva, HIV-Medikamente oder anderer Stoffe beeinflusst. Bei HIV-positiven Patienten findet die TB-Therapie in enger Abstimmung mit einer antiretroviralen Therapie statt, um Interaktionen zu vermeiden. Teils sind modifizierte Regime oder Dosisanpassungen nötig.

Ergänzend kann in bestimmten Fällen Kortison eingesetzt werden (z. B. bei Meningitis tuberculosa, Perikardbeteiligung), um übermäßige Gewebsschäden durch Entzündungsreaktionen zu reduzieren. Generell gilt aber: Die konsequente, lange Antibiotikatherapie ist der Schlüssel. Ein unvollständiges Absetzen oder Unterbrechen erhöht das Risiko von Resistenzen massiv und gefährdet den Therapieerfolg.

Verlauf, Folgen und Prognose

Eine Infektion mit Mycobacterium tuberculosis verläuft zunächst oft stumm, d. h. der Körper bildet Granulome, die Bakterien werden eingekapselt (latente TB). Bei 5–10% der Infizierten entwickelt sich jedoch irgendwann eine aktive Erkrankung. Das kann kurz nach der Ansteckung sein oder Jahre später (Reaktivierung). Ein starkes Immunsystem kann also lange Zeit verhindern, dass die TB ausbricht.

Bei aktiver pulmonaler TB schreitet die Erkrankung ohne Behandlung meist langsam fort und kann durch den chronischen Husten, Auswurf und Lungenzerstörung zum Tod führen. Im 19. Jahrhundert war sie eine Haupttodesursache. Dank Antibiotika ist sie heute in entwickelten Ländern meist heilbar, sofern rechtzeitig erkannt und konsequent therapiert. Die Heilungsraten bei empfindlichen Keimen liegen über 90%. Schwere Verläufe und schlechte Prognose findet man v. a. bei:

  • Fortgeschrittener Erkrankung (Kavernen, massive Infiltration)
  • HIV-Koinfektion (stark geschwächtes Immunsystem)
  • Mehrfachresistenter TB (MDR/XDR), wo die Standardmedikamente nicht greifen
  • Allgemeiner schlechter Gesundheitszustand (Unterernährung, Alkoholkrankheit etc.)

Bei erfolgreicher Behandlung heilen die aktiven Herde aus. Gelegentlich bleiben Narben oder Verkalkungen (Ghon-Fokus) zurück. Bei großer Lungenzerstörung können funktionelle Einschränkungen der Atmung verbleiben. Eine Reinfektion ist grundsätzlich möglich, da eine durchgemachte TB keinen sicheren dauerhaften Schutz verleiht. Langfristig ist das Ziel der WHO eine globale Zurückdrängung bis hin zur Eliminierung, doch dies setzt eine gute Gesundheitsinfrastruktur, Früherkennung und Adhärenz in der Therapie voraus.

Vorbeugung und Selbsthilfe

Eine klassische TB-Prävention ist die BCG-Impfung (Bacillus Calmette-Guérin). Sie wird aus abgeschwächten bovinen Mykobakterien gewonnen. Sie bietet keinen perfekten Schutz vor einer Ansteckung, kann aber die Gefahr schwerer Verlaufsformen bei Kindern (z. B. Miliartuberkulose, tuberkulöse Meningitis) senken. In vielen Industrienationen wird die BCG-Impfung kaum noch flächendeckend empfohlen, da TB dort selten ist. In Hochprävalenzländern jedoch bleibt sie eine gängige Maßnahme.

Darüber hinaus sind Früherkennung und konsequente Therapie wesentlich. Wer Anzeichen wie chronischen Husten, Gewichtsverlust, Nachtschweiß bemerkt – insbesondere mit TB-Risikofaktoren (Kontakt zu Erkrankten, Aufenthalt in TB-Hochrisikogebieten, Immunsuppression) – sollte ärztlich abklären lassen. Je früher eine TB entdeckt wird, desto größer die Erfolgschancen und desto geringer das Risiko für Ansteckung anderer.

Wichtige Alltagsmaßnahmen zur TB-Eindämmung:

  • Lüften: TB verbreitet sich leichter in schlecht belüfteten Räumen. Regelmäßige Frischluftzufuhr reduziert die Aerosolbelastung.
  • Rauchstopp: Rauchen schädigt die Lunge und macht empfänglicher für eine Erkrankung.
  • Allgemeine Hygiene: Bei Husten in die Armbeuge niesen, Taschentücher richtig entsorgen, Hände waschen. Allerdings ist TB weniger oberflächen-, sondern eher luftübertragen.
  • Screenings: In manchen Ländern existieren Reihenuntersuchungen (z. B. Röntgen). Bei beruflichen Risiken (Gesundheitswesen, Obdachlosenhilfe) wird oft ein TB-Test (IGRA) angeboten.

Wenn eine TB diagnostiziert wurde, ist Compliance (Therapietreue) das A und O: Die Medikamente müssen über die verordnete Zeit (meist 6 Monate) eingenommen werden, auch wenn die Symptome sich bereits gebessert haben. Nur so lässt sich verhindern, dass resistente Bakterien überleben und später zu einer noch schwierigeren Erkrankung führen.

Für Patienten mit extrapulmonaler TB (z. B. Lymphknoten) gelten ähnliche Therapieregeln wie bei Lungen-TB. Auch hier sind Adhärenz und regelmäßige Kontrollen entscheidend. Nach Abschluss der Therapie folgen meist Röntgenkontrollen oder ggf. MRT/Ultraschall (bei Knochentb, Lymphknoten) um den Heilungserfolg zu dokumentieren.

Häufige Fragen (FAQ) zu Tuberkulose

Ist jede Tuberkulose ansteckend?

Nein, nur die aktive, offene Lungen-TB ist hochinfektiös, wenn Bakterien über den Husten in die Luft gelangen. Bei einer geschlossenen Lungentuberkulose oder einer extrapulmonalen TB, bei der keine Erreger in die Atemwege gelangen, besteht meist keine Ansteckungsgefahr. Auch latente TB-Infektionen (LTBI) sind nicht ansteckend, da keine Bakterien ausgeschieden werden. Ob eine TB ansteckend ist, hängt also davon ab, ob die Bakterien Kontakt zu den Bronchien haben und ausgehustet werden können.

Was tun, wenn ich Kontakt zu einem TB-Patienten hatte?

Man sollte sich beim Gesundheitsamt oder dem Arzt melden. Meist wird ein IGRA-Test oder Tuberkulin-Hauttest durchgeführt. Fällt der Test negativ aus, wird in den folgenden Wochen erneut getestet, weil es eine gewisse Inkubationszeit für die Sensibilisierung gibt. Bleibt der Test negativ, ist eine Ansteckung unwahrscheinlich. Fällt er positiv aus, kann eine prophylaktische Behandlung (z. B. mit Isoniazid für mehrere Monate) empfohlen werden, um eine latente TB zu beseitigen und eine spätere Reaktivierung zu verhindern. Bei Symptomen wie Husten, Fieber oder Gewichtsverlust sollte eine Röntgenuntersuchung gemacht werden.

Wie ansteckend ist TB im Vergleich zu COVID-19?

TB ist weniger leicht übertragbar als hochinfektiöse Viren wie SARS-CoV-2 oder Masern. Meist bedarf es längeren, engen Kontakts in geschlossenen Räumen mit einem Patienten, der aktiv Erreger aushustet. Allerdings kann TB sehr persistente Infektionen verursachen, die sich durch Hustenpersistenz verbreiten. Bei COVID-19 hingegen ist die Reproduktion teils höher (besonders bei Delta/Omikron), Infektionen können schon bei kurzer Begegnung stattfinden. TB benötigt in der Regel einen intensiveren Kontakt. Umgekehrt kann TB (wenn die Person ansteckend ist) schleichend viele Menschen anstecken. Beide Infektionen differieren also in ihrem typischen Infektionsmodus. Masken und gutes Lüften reduzieren auch bei TB das Risiko. Chronischer Husten sollte in jedem Fall medizinisch abgeklärt werden.

Gibt es einen sicheren Schutz gegen TB?

Vollständige Sicherheit gibt es nicht. Die BCG-Impfung bietet Kindern in Hochinzidenzgebieten einen gewissen Schutz vor schweren Verlaufsformen. In Ländern mit sehr niedriger TB-Inzidenz wird sie meist nicht mehr standardmäßig gegeben. Die beste Vorsorge ist, aktive TB-Fälle schnell zu erkennen und zu behandeln, um die Infektionskette zu unterbrechen. Zudem sollten Risikogruppen (z. B. HIV-Positive, Personen in Obdachlosenheimen, Gesundheitspersonal) engmaschig untersucht werden. Bei labilem Immunsystem kann eine Prophylaxe (Isoniazid oder Rifampicin) ratsam sein, falls ein latenter TB-Test positiv ausfällt.

Warum dauert die TB-Therapie so lange?

Mycobacterium tuberculosis wächst sehr langsam und hat die Fähigkeit, sich in Geweben zu „verstecken“ oder zu ruhen. Die Antibiotika müssen mehrere Bakterienpopulationen abtöten (aktive, langsam wachsende, dormant). Ein kurzer Behandlungszeitraum reicht nicht aus, da einige Bakterien überleben und zu Rückfällen führen könnten. Mindestens 6 Monate sind internationaler Standard bei empfindlicher TB. Bei Resistenzen oder komplizierten Verläufen kann es 9–24 Monate dauern, um alle Erreger zu eliminieren. Ein Abbruch oder Unterbrechung der Therapie erhöht das Risiko für Resistenzentwicklung dramatisch und gefährdet die Gesundheit des Patienten und anderer Menschen.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel zur Tuberkulose dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung. Wer anhaltend hustet, ungewollt Gewicht verliert oder andere TB-Verdachtszeichen hat, sollte ärztlichen Rat einholen. Die beschriebenen Medikamente und Behandlungsstrategien dürfen nur in Absprache mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal angewandt werden. Insbesondere bei Verdacht auf resistenzverdächtige TB (MDR/XDR) ist eine spezialisierte ärztliche Einrichtung unerlässlich. Auch bei Kontakt mit einem TB-Patienten bitte unverzüglich das zuständige Gesundheitsamt oder den Arzt informieren. Trotz sorgfältiger Recherchen wird keine Gewähr für Aktualität und Vollständigkeit übernommen. Im Zweifelsfall immer ärztlichen Rat einholen.

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