Viele Patienten gehen davon aus, dass Sauerstoff immer befeuchtet werden muss, meist mit einem sogenannten Sprudelbefeuchter. Das stimmt so nicht. Bei niedrigen Flussraten ist eine Befeuchtung medizinisch meist nicht nötig, und ein offener Befeuchter bringt ein Hygienerisiko mit sich. Dieser Artikel erklärt, wann ein Sprudelbefeuchter sinnvoll ist und warum nova:med im Regelfall darauf verzichtet.
Wann eine Befeuchtung wirklich nötig ist
Die Atemluft wird in Nase und Rachen auf natürlichem Weg angefeuchtet. Bei niedrigem Sauerstofffluss reicht das in der Regel aus. Die Leitlinie der amerikanischen Fachgesellschaft für Atemtherapie (AARC) hält fest, dass eine Nasenbrille bei bis zu 4l/min normalerweise nicht befeuchtet werden muss, solange die oberen Atemwege gesund sind und die Raumluft nicht zu trocken ist.
Sinnvoll sein kann ein Sprudelbefeuchter zum Beispiel:
- bei höheren Flussraten,
- bei spürbarer Trockenheit oder Reizung der Nasenschleimhaut,
- bei einem Luftröhrenschnitt (Tracheostoma),
- bei zähem Schleim, der schwer abzuhusten ist.
Ob das auf Sie zutrifft, entscheidet immer Ihr Arzt. Bitte halten Sie sich an Ihre Verordnung.
Das Hygienerisiko: stehendes Wasser und Kondenswasser
Ein Sprudelbefeuchter arbeitet mit stehendem Wasser. Und stehendes Wasser ist ein Nährboden für Keime. Ein systematisches Review zur Keimbelastung von Sauerstoffbefeuchtern fand bei wiederverwendbaren Befeuchterflaschen je nach Studie 10 bis 100 Prozent der Geräte mit Bakterien besiedelt. Überwiegend waren es harmlose Hautkeime, in einem Teil der Fälle aber auch potenziell krankmachende Erreger wie Pseudomonas.
Bei der Sauerstofftherapie kommt ein praktischer Punkt hinzu. Wer sich mit einem langen Verlängerungsschlauch frei in der Wohnung bewegt, hat oft einen mehrere Meter langen Schlauch. Darin kann sich Kondenswasser sammeln. Zusammen mit dem Wasser im Befeuchter entsteht so eine feuchte Strecke, in der sich Keime vermehren können, wenn nicht konsequent gereinigt wird. Genau diese tägliche Reinigung gelingt im Alltag oft nicht zuverlässig.
Hinzu kommt: Ein Nutzen, der das Risiko aufwiegt, ist bei niedrigem Flow nicht belegt. Eine Studie zeigt, dass eine kalte Befeuchtung das Austrocknen der Nasenschleimhaut nicht zuverlässig verhindert. Aus diesem Grund hat sich die Praxis in den vergangenen Jahren von der routinemäßigen Befeuchtung wegbewegt.
Die Empfehlung von nova:med
Bei niedrigem Sauerstofffluss raten wir im Regelfall von einem offenen Sprudelbefeuchter ab. Der mögliche Nutzen ist gering, das Hygienerisiko ist real.
Hat Ihr Arzt eine Befeuchtung verordnet, achten Sie bitte auf folgende Punkte:
- Geschlossenes System bevorzugen: Vorgefüllte Sterilwasser-Systeme sind hygienischer als offene Flaschen, die Sie selbst nachfüllen.
- Nur steriles Wasser: Niemals Leitungswasser verwenden.
- Täglich reinigen: Eine offene Befeuchterflasche muss täglich gereinigt werden.
- Kondenswasser ableiten: Lassen Sie den Schlauch nicht durchhängen und leeren Sie angesammeltes Wasser regelmäßig. Eine Wasserfalle hilft.
Fazit
Ein Sprudelbefeuchter ist bei der Sauerstofftherapie seltener nötig, als viele denken. Bei niedrigem Flow überwiegt das Hygienerisiko den möglichen Nutzen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob Sie eine Befeuchtung wirklich brauchen. Wir beraten Sie gerne zur hygienisch sicheren Umsetzung.
Häufige Fragen
Braucht jeder Sauerstoffpatient einen Sprudelbefeuchter?
Nein. Bei einer Nasenbrille bis etwa 4l/min ist eine Befeuchtung meist nicht nötig, weil die Atemwege die Luft selbst anfeuchten. Ob Sie eine brauchen, entscheidet Ihr Arzt.
Warum rät nova:med bei langem Schlauch von einem offenen Sprudelbefeuchter ab?
Im Befeuchter steht Wasser, im langen Schlauch sammelt sich Kondenswasser. Beides kann Keimen einen Nährboden bieten. Da der Nutzen bei niedrigem Flow gering ist, überwiegt für uns das Hygienerisiko.
Was tun, wenn mein Arzt eine Befeuchtung verordnet hat?
Dann halten Sie sich an die Verordnung. Bevorzugen Sie ein geschlossenes Sterilwasser-System, verwenden Sie nur steriles Wasser und reinigen Sie alle offenen Teile täglich.
Wie vermeide ich Kondenswasser im Schlauch?
Lassen Sie den Schlauch nicht durchhängen, halten Sie ihn von kalten Stellen fern und leeren Sie angesammeltes Wasser regelmäßig. Eine Wasserfalle fängt Kondenswasser auf.
Weiterführende Artikel
Quellen
- AARC Clinical Practice Guideline, Sauerstofftherapie bei Erwachsenen (Befeuchtung bei Nasenbrille ≤4l/min nicht erforderlich): aarc.org
- Microbiological contamination in high and low flow oxygen humidifiers: A systematic review, Medicina Intensiva: medintensiva.org
- Cold bubble humidification of low-flow oxygen does not prevent acute changes in inflammation and oxidative stress at nasal mucosa, Scientific Reports 2021: nature.com
- Cold Bubble Humidification of Oxygen: Old habits die hard (Übersicht zur abnehmenden Routine-Befeuchtung): ncbi.nlm.nih.gov