Außerklinische Beatmung

Die außerklinische Beatmung kommt für unterschiedliche Krankheiten dann zum Einsatz, wenn es erforderlich ist, den Patienten maschinelle Unterstützung zur Aufrechterhaltung der Atmung oder eine zeitlich beschränkte Atmungsunterstützung anzubieten. Die häufigste Ursache für die Einleitung einer Beatmung weltweit ist die COPD (englisch: Chronic Obstructive Pulmonary Disease; deutsch: Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung). COPD ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe von Krankheiten der Lunge, die durch Husten, vermehrten Auswurf und Atemnot bei Belastung gekennzeichnet sind. COPD ist irreversibel also nicht rückführbar. Eine Heilung gibt es bislang nicht, jedoch kann eine Behandlung den Krankheitsverlauf verzögern.

 Hauptursachen einer COPD sind:

  • Rauchen
  • Umweltverschmutzung (insbesondere Belastung der Atemluft durch Verbrennung von biologischem Material)
  • Berufliche Belastung bei Personen, die sich schädlichen Stäuben aussetzen

Umgangssprachlich wird die COPD auch als „Raucherlunge“ bezeichnet.

COPD stellt eine Volkskrankheit dar und ist weltweit die vierthäufigste Todesursache. So geht die Weltgesundheits-organisation WHO in ihrer jüngsten Schätzung aus dem Jahr 2007 von 210 Millionen weltweit Betroffenen aus. Anlässlich des Welt-COPD-Tages 2011 wurde diese Zahl bereits auf 340 Millionen COPD-Patienten korrigiert.

Nach Prognosen der WHO wird sie bis zum Jahr 2030 in dieser Statistik auf Platz drei vorrücken. Von den zehn häufigsten zum Tod führenden Krankheiten ist sie die einzige, deren Häufigkeit zunimmt. In den Industrienationen ist dieser Anstieg im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass der Anteil rauchender Frauen weiter steigt. Schätzungen gehen davon aus, dass 15 % der Deutschen über 40 Jahre an COPD leiden, bei den über 70-Jährigen sind es sogar knapp 30 %.

Sind trotz medikamentöser Behandlung der COPD und ergänzender Therapien die Kohlendioxid Werte dauerhaft erhöht (Hyperkapnie), sind wiederholt auftretende Exazerbationen (Verschlechterung des Allgemeinzustandes) zu beobachten oder tritt begleitend eine ventilatorische Insuffizienz auf, so sollte eine Beatmung in Betracht gezogen werden. Die Symptome der ventilatorischen Insuffizienz bedeuten, dass der Körper die notwendige Atemarbeit (Arbeitsleistung der „Atempumpe“) nicht mehr aufbringen kann. Um sich vor der vollständigen Erschöpfung zu schützen, kann die Atmung über eine Beatmung ergänzt oder auch übernommen werden. Ziel ist es letztlich immer mittels Beatmung den CO2 Wert im Blut zu senken und eine ausreichende Sauerstoffversorgung sicher zu stellen. Als bevorzugte Form der Beatmung wird die nicht-invasive Beatmung (NIV) empfohlen. Bei der NIV wird die Atmung mittels einer druckdichten Atemmaske mechanisch unterstützt, ohne dass eine Intubation, also die invasive Einführung eines Beatmungsschlauches in die Luftröhre, notwendig wird. Falls keine Ausschlusskriterien für die NIV vorliegen, ersetzt sie in 75-80 % der Fälle die Intubation (invasive Beatmung).

Zielsetzungen der außerklinischen Beatmung

Weitere Grunderkrankungen, die eine NIV oder aber eine invasive Beatmung erfordern:

OHS (Obesitas Hypoventilations Syndrom, auch „Pickwick-Syndrom“ genannt), das durch einen Body-Mass-Index > 30 kg/m2 und eine Hyperkapnie (Erhöhung des Kohlendioxid Wertes im Blut) während des Tages definiert ist. Das Übergewicht führt zu einer fortwährenden Enge der oberen Atemwege, einer Einengung der Lunge durch die zu bewegenden Gewebemassen und die hochdrückenden Zwerchfelle. Dieses führt zu einer verminderten Belüftung der Lunge auch am Tage, was sich in einer chronischen Anreicherung von CO2 auswirkt. Während bei der Schlafapnoe die Atmung am Tag normal ist und sich nur im Schlaf Atemaussetzer einstellen, ist bei der Obesitas-Hypoventilation die Atmung auch im Wachzustand erkennbar beeinträchtigt. Thorakal-restriktive Erkrankungen Die Gruppe der thorakal-restriktiven Erkrankungen umfasst Patienten mit schweren Veränderungen des Thoraxskelettes, der Thoraxwand oder der Wirbelsäule. Thorakal-restriktive Erkrankungen, wie das Posttuberkulosesyndrom oder die Kyphoskoliose, verursachen ventilatorisches Versagen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Atemmuskeln eine verminderte „Kraft“ durch die verschobene Anatomie aufweisen. Neuromuskuläre Erkrankungen Im Volksmund wird hier häufig von Muskelkrankheit oder Muskelschwund gesprochen, korrekt ist aber der Obergriff neuromuskuläre Erkrankung. Schwächen der Brustwandmuskulatur, des Zwerchfells und der Bauchmuskulatur können zu Störungen der Lungenfunktion führen.

Um den Erfolg der außerklinischen Beatmung Therapie auch im heimischen Umfeld, dem Pflegeheim oder einer Beatmungswohngruppe sicher zu stellen, sorgt nova:med in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt für eine koordinierte und professionelle Begleitung der Patienten. Die meist lebenslange Therapie wird so von Anfang an durch uns  begleitet. Nicht nur erwachsene Patienten werden in Kliniken auf eine dauerhafte Beatmung eingestellt, sondern vermehrt auch Kinder und Neugeborene, bei denen aufgrund der komplexen Gesamtsituation eine einfühlsame Betreuung seitens nova:med gefordert ist, die aufgrund jahrelanger Praxis gewährleistet wird.

Zielsetzungen der außerklinischen Beatmung

Bei einer Vielzahl von Patienten ist eine intermittierende Beatmung (also nur an manchen Stunden während des Tages oder nur Nachts) ausreichend. Dieses verspricht eine wesentlich höhere Akzeptanz seitens des Patienten, da bereits die zeitweise Entlastung der Atempumpe eine signifikante Verbesserung des Allgemeinzustandes zur Folge hat. Viele Patienten erleben mit dem Fortschreiten der Erkrankung eine deutliche Einbuße an Mobilität, die aufgrund einer intermittierenden Beatmung wieder erlangt werden kann. Die verwendeten NIV Beatmungssysteme sind aufgrund technischer Fortschritte in den letzten zwei Jahrzehnten sehr gut für die Patienten zu transportieren. Dies ermöglicht es dem Patienten, gemessen an seinem Allgemeinzustand, auch Reisen antreten zu können. Eine außerklinische Beatmung kann aber auch invasiv über ein Tracheostoma erfolgen und hier ebenfalls intermittierend (zeitweise) oder mehr als 16 Stunden am Tag; wobei hier der Begriff „lebenserhaltende Beatmung“ geprägt wurde.

Geschichte der außerklinischen Beatmung

Mit dem ersten Atemzug den Neugeborene machen, entfaltet sich die Lunge und der selbstständige Kreislauf des Neugeborenen beginnt. Das Atmen geschieht nahezu automatisch. Für Menschen, die Anfang des 19. Jahrhunderts an Kinderlähmung erkrankten und in Folge dessen nicht mehr selbstständig atmen konnten, konstruierte Philip Drinker die erste „eiserne Lunge“. Sie besteht aus einer Metallkammer, die den Körper des Erkrankten bis zum Hals einschließt. Der Thorax wird während der Inspiration einem subatmosphärischen Druck (meist als negativer Druck bezeichnet) ausgesetzt. Die Exspiration erfolgt entweder passiv oder die Lungen werden in der Ausatmungsphase durch Gabe von Überdruck zusammengepresst.

Diese Form der Beatmung war durch die Größe und den Geräuschpegel der Geräte schwer zu handhaben. Dennoch ermöglichte und sicherte sie vielen Patienten, deren Atemmuskulatur durch die Polio-Infektion geschwächt war, das Überleben. Somit war die eiserne Lunge ein lebensrettendes Instrument und Gefängnis zugleich.

In den letzten 10-15 Jahren ist die Entwicklung im Bereich der Heimbeatmungsgeräte rasant vorangeschritten.

Heimbeatmungsgeräte wiesen Anfang der 90er Jahre in etwa die Größe einer Mikrowelle mit einem Gewicht von ca. 10 – 12 kg auf. Heute wiegen die meisten Heimbeatmungsgeräte, bei wesentlich leistungsfähigeren Turbinen, sehr sensiblen Beatmungsmodi und aufgrund wesentlicher Verschärfungen der Entwicklungs- und Zulassungsrichtlinien und damit einhergehend mit höchster Anwendersicherheit, nur noch etwa 3 kg.